Aktuelles
Wenn das Blut in den Adern stockt
19. Juni 2012 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Die meisten Thrombosen entstehen im höheren Lebensalter, als Folge einer längeren Ruhigstellung oder der Einnahme von Hormonpräparaten. Bei einigen aber wird das Gerinnsel, das Venen oder Arterien verstopft, durch eine angeborene oder erworbene Thrombophilie verursacht. Manche dieser Gerinnungsneigungen sind häufig, andere sehen selbst die Ärzte im Gefäßzentrum der Frankfurter Uniklinik höchstens ein-, zweimal im Monat. Daher fehlen auch belastbare Erkenntnisse zur Therapie dieser seltenen Thromboseformen. Dies zu ändern, ist das Ziel des Teams um Prof. Edelgard Lindhoff-Last. Wie die Wissenschaftlerin in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichtet, sind genetische Untersuchungen und die Einrichtung eines webbasierten Thromboseregisters wichtige Schritte zum besseren Verständnis dieser lebensbedrohlichen Erkrankung.

Von seltenen Thrombosen sprechen die Ärztinnen des Gefäßzentrums, wenn die Armvenen, die Bauchvenen oder die Hirnvenen betroffen sind. Verursacht werden diese Thrombosen meist durch eine gestörte Regulation der Gerinnung. Wiederkehrende Thrombosen, oft sowohl im arteriellen als auch im venösen System, führen zum Verlust von Extremitäten oder gar zum Tod zum Beispiel durch eine Lungenembolie oder durch einen Schlaganfall, manche Mutation lässt bei einer Schwangerschaft den Fötus bereits im Mutterleib sterben.

Ein Beispiel ist die Krankengeschichte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Sie erlitt zwei Fehlgeburten, die man damals auf die schweren Verletzungen nach einem früheren Unfall zurückführte. Dass es sich um eine noch nicht bekannte seltene Form der Thrombose, ein sogenanntes Antiphospholipid-Syndrom handelte, legt der weitere Krankheitsverlauf nahe: 1953 wurde ihr vermutlich wegen eines arteriellen Verschlusses am rechten Bein der Unterschenkel amputiert. Ein Jahr später erkrankte sie an einer Lungenentzündung. Kurz nach ihrem 47. Geburtstag starb sie mutmaßlich an einer Lungenembolie.

Das Antiphospholipidsyndrom (APS) wird durch Antikörper verursacht, die gegen körpereigene Phospholipid-Gerinnungsproteinkomplexe gerichtet sind. Diese können unter anderem sowohl an Blutplättchen als auch an Endothelzellen binden, die das Innere der Blutgefäße auskleiden, und dadurch eine vermehrte Thromboseneigung verursachen. Wie bei vielen anderen Autoimmunerkrankungen bietet auch das erworbene APS ein buntes Bild an Symptomen: Der Erkrankungsgipfel liegt bei etwa 34 Jahren, Frauen sind viermal so oft betroffen wie Männer, die Thrombosen können sowohl in Arterien als auch in Venen auftreten.

Seltene angeborene Thromboseneigungen wie der Antithrombin-, Protein-C- oder Protein-S-Mangel geben darüber hinaus den Wissenschaftlern auch heute noch Rätsel auf: „Es gibt über 200 verschiedene Mutationen allein am Protein-S-Gen, die alle zu einem Mangel führen können. Fast jede Familie hat ihre eigene Mutationsvariante“, so Edelgard Lindhoff-Last. Diese frühzeitig zu entdecken, ist wesentlich für das Risiko des Wiederauftretens der Thrombose, das die Angiologen durch eine geeignete Therapie verhindern wollen. Dabei genügt es nicht allein, den Mangel eines Proteins für die Blutgerinnung festzustellen. Denn offenbar hängt es auch von der Art der Mutation ab, wie schwer die Gerinnungsstörung ausgeprägt ist. Die Forscherinnen setzen deshalb auf eine konsequente Sammlung aller seltenen Thrombosen und die genetische Kartierung der zugrunde liegenden Mutationen. Dafür arbeiten sie eng mit dem Blutspendedienst in Frankfurt zusammen.

Quelle: Pressestelle Goethe-Universität Frankfurt am Main

Weitere News-Beiträge

2012
20. Dezember 2012 Im Winter haben Fernreisen Hochsaison... |mehr|
30. November 2012 Verhüten Ü45 – Risiko von Venenleiden spielt eine Rolle... |mehr|
30. Oktober 2012 Wenn Venenklappen schlapp machen... |mehr|
30. September 2012 High Heels - Risiko für die Venen ... |mehr|
28. August 2012 Mit fitten Beinen bei den 30. Olympischen Spielen... |mehr|
19. August 2012 Hormone und das Risiko von Thrombosen, Schlaganfällen und Herzinfarkten... |mehr|
19. Juli 2012 „Sind Ihre Venen noch ganz dicht?“
... |mehr|
19. Mai 2012 Stripping-Methode bei Krampfadern bleibt konkurrenzfähig... |mehr|
19. April 2012 Stützstrümpfe in modischen Farben... |mehr|
19. März 2012 Krampfadern, Besenreiser & Co. - Am Deutschen Venentag wird aufgeklärt... |mehr|
17. Februar 2012 Chronische Venenschwäche... |mehr|
15. Januar 2012 Durchbruch in der Erforschung chronischer Wunden... |mehr|
Archiv
2018 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2018 anzeigen
2017 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2017 anzeigen
2016 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2016 anzeigen
2015 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2015 anzeigen
2014 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2014 anzeigen
2013 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2013 anzeigen
2011 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2011 anzeigen
2010 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2010 anzeigen
2009 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2009 anzeigen
2008 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2008 anzeigen
2007 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2007 anzeigen
2006 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2006 anzeigen
2005 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2005 anzeigen
2004 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2004 anzeigen
2003 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2003 anzeigen
2002 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2002 anzeigen
2001 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2001 anzeigen
letzte Aktualisierung dieser Seite am: 25.01.2017
Die Inhalte von Venenratgeber.de können und sollen keinen Arztbesuch ersetzen und stellen keine Anleitung zur Selbstmedikation oder Selbstdiagnose dar. Die Informationen dieser Webseiten inklusive der Expertenräte sollen zur Erlangung zusätzlicher Informationen zu einer bereits gestellten Diagnose oder zur Vorbereitung eines Arztbesuches dienen. Empfehlungen hinsichtlich Diagnoseverfahren, Therapieformen, Medikamenten oder anderer Produkte werden nicht gegeben.
Bitte lesen Sie hierzu die Nutzungsbedingungen mit Haftungsausschluss.
© 2017 medical project design GmbH