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Stripping-Methode bei Krampfadern bleibt konkurrenzfähig
19. Mai 2012 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Die Volkskrankheit Varikosis kann auf vielfältige Art und Weise behandelt werden. Für die fortgeschrittene Krampfadernerkrankung war bisher die operative Therapie das Maß aller Dinge. Mit großen Versprechungen kamen Ende der 90er Jahre Hitzesonden auf den Markt, die mit Radiowellen oder Laser eine schonendere und genauso wirksame Behandlung der Krampfadern in Aussicht stellten. Bewiesen sind die Vorteile aber nicht, wie eine Studie aus dem Venenzentrum der Ruhr- Universität Bochum (RUB) zeigt. Prof. Dr. med. Achim Mumme hat überprüft, ob die Stripping-Methode in validen Vergleichsstudien tatsächlich unterlegen ist. Neben der Qualitätsbewertung wurden die Parameter Schmerzhaftigkeit und Rekonvaleszenz verglichen. Das überraschende Ergebnis: Die Laser- und Radiowellenverfahren sind bislang den Beweis schuldig geblieben, dass sie bei gleicher Nachhaltigkeit der Behandlung tatsächlich schonender sind als die operative Therapie.

Über 300.000 Eingriffe pro Jahr

Die sogenannte Stripping-Operation ist in Deutschland mit über 300.000 Eingriffen pro Jahr die am häufigsten angewandte Therapieoption zur Behandlung von Krampfadern. Die Methode basiert auf einer im Jahre 1907 erstmalig publizierten Operationstechnik, die seither immer wieder modifiziert wurde, in ihren Grundzügen aber unverändert blieb. Über einen Schnitt in der Leiste wird die krankhafte Vene von der gesunden tiefen Vene getrennt. Danach kommt es zur Entfernung der Krampfadervene mit einer sogenannten Stripping-Sonde. Mit dem Versprechen, das Gleiche leisten zu können wie die Operation, nur schonender, sind seit 1998 verschiedene Sondenverfahren zur Behandlung von Krampfadern auf dem Markt. Diese werden unter Ultraschallkontrolle per Punktion in die krankhafte Vene eingebracht. Dort erfolgt der Verschluss des erkrankten Gefäßes durch den Einsatz von Hitze, die ein Laser oder Radiowellen erzeugen. Die Venen verkochen dabei von innen und sollen so dauerhaft verschlossen bleiben.

Beitrag in der Fachzeitschrift „Phlebologie“

Inzwischen sind diese Hitzeablationsverfahren über zehn Jahre im Einsatz. Aber sind die neuen Therapieoptionen tatsächlich besser als die althergebrachte operative Therapie? Im Venenzentrum der Ruhr-Universität Bochum analysierten die Forscher alle verfügbaren Vergleichsstudien. Die Ergebnisse stehen in der aktuellen Ausgabe der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Phlebologie“, dem Organ der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie.

Langzeitergebnisse unbekannt

Über zehn Jahre nach Einführung der neuen Behandlungsmethode existieren keine Vergleichsstudien zu den Langzeitergebnissen, so dass noch immer ungeklärt ist, ob die Laser- und Radiowellenverfahren das Wiederauftreten von Krampfadern genauso gut verhindern können wie die Operations-Methode. Darüber hinaus ist keinesfalls gesagt, dass die Hitzeverfahren generell schonender sind. In den Vergleichsstudien zur Lasertherapie war die althergebrachte Operation tendenziell sogar schmerzärmer. Nur die Radiowellentherapie schnitt unter dem Aspekt der Schmerzhaftigkeit besser ab als die Operation. Dieser Vorteil konnte bislang aber nicht für fortgeschrittene Krankheitsfälle gezeigt werden.

Therapie der Wahl

Professor Mummes Studie kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Stripping-Operation bei fortgeschrittener Krampfadernerkrankung nach wie vor die Therapie der Wahl ist. Die Radiowellentherapie hat Vorteile bei weniger ausgeprägten Fällen, bei denen sie schmerzärmer ist als die Operation. Dieser Vorteil konnte für die Lasertherapie nicht gezeigt werden. Inzwischen wurden daher neue Lasersonden auf den Markt gebracht, mit denen die Behandlung schmerzärmer sein soll. Sowohl für die Radiowellen-, als auch für die Lasertherapie fehlen allerdings Vergleichsstudien zu den Langzeitergebnissen. Hier besteht Nachholbedarf. Schließlich muss für den Patienten erkennbar sein, ob eventuelle Vorteile der neuen Verfahren zulasten der Nachhaltigkeit gehen.

Quelle: Pressestelle Ruhr-Universität Bochum

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