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Das Lymphödem
07. Dezember 2009 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Das Lymphödem wird oftmals mit einer chronischen venösen Insuffizenz (Venenschwäche) verwechselt. Wenn Krampfadern längere Zeit bestehen, führen Sie zu Stauungsphänomen einschließlich eines venösen Ödems. Dies ist vom Lymphödem zu unterscheiden. Wie der Berufsverband der deutschen Dermatologen im Hautinfomr 06/09 berichtet, beginnen erste Beschwerden beim Lymphödem manchmal schon im Teenageralter: Zehen- und Fußrücken wirken wie aufgetrieben, Knöchel oder Knie werden „dick“. Doch Schreckensbilder von monströs geschwollenen Gliedmaßen sollten der Vergangenheit angehören. Denn so weit muss es nicht kommen: „Frühzeitig erkannt und richtig behandelt, lässt sich ein Lymphödem in den Griff bekommen“, so die gute Nachricht des Dermatologen und Phlebologen Dr. Wilfried Jungkunz aus Friedberg. Beim Lymphödem handelt es sich weder um „Fettpölsterchen“ noch um „Wassersucht“. Eine Abmagerungskur oder auch Medikamente zur Entwässerung allein helfen daher nicht. „Das Lymphödem ist vielmehr eine Schwellung, die durch eine Abflussstörung lymphpflichtiger Stoffe, vorwiegend im Hautorgan, ausgelöst wird“, erklärt Dr. Jungkunz.

Das lymphatische System, das aus Lymphknoten und Lymphgefäßen besteht, hat neben seinen Aufgaben in der Immunabwehr auch die wichtige Funktion, den Flüssigkeitstransport zu regulieren. Das Lymphgefäßsystem sorgt dafür, dass mit der eiweißreichen Lymphflüssigkeit Zelltrümmer, Fette, Fremdkörper, Krankheitskeime und Stoffwechselprodukte in den Blutkreislauf zurückgeführt werden. Die Neigung zu einem primären Lymphödem ist anlagebedingt und betrifft vor allem Frauen. Auch nach der Entfernung von Lymphknoten bei Krebserkrankungen kann ein – erworbenes, sekundäres - Lymphödem enstehen. Bei Lymphödemen kommt es in der Lederhaut und im Unterhautfettgewebe zur sogenannten Lymphostase, das heißt Lymphe staut sich. Bei chronischen Verlaufsformen bilden sich vermehrt Bindegewebsfasern, die verhärten, eine sogenannte lymphostatische Fibrosklerose entwickelt sich.

Erste Anzeichen eines Lymphödems sind meist Schwellungen am Fußrücken, die sich über die Knöchel sowie die Gliedmaßen ausbreiten und mit unangenehmen Spannungen einhergehen können. Anfänglich bildet sich die Schellung meist über Nacht zurück. Bei Fortschreiten der Erkrankung bleibt das Ödem bestehen. Ausgeprägte chronische Lymphödeme können alltägliche Tätigkeiten stark einschränken, das Gehen behindern und schließlich sogar zur Aufgabe des Berufes zwingen. Zudem fühlen sich die Betroffenen oft stigmatisiert; sozialer Rückzug kann die Folge sein. Besonders gefürchtet ist die sogenannte „Elephantiasis“ mit monströsen Schwellungen der Gliedmaßen. Bläschenn oder Fisteln, aus denen Lymphe austritt, können sich entwickeln; diese bergen eine erhöhte Gefahr von bakteriell bedingten Erkrankungen wie der Wundrose (Erysipel). Verhindern kann man ein Lymphödem nicht, räumt Jungkunz ein. Seine gute Nachricht: „Frühzeitig erkannt und fachgerecht behandelt, lassen sich Form und Funktion der betroffenen Gliedmaßen erhalten und ein Fortschreiten der Erkrankung unterbinden“. Das zeigen die jahrelangen Erfahrungen lymphologisch- dermatologischer Qualitätszirkel, berichtet der Experte.

Therapie der Wahl sei eine individuell konzipierte, komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE), die manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbehandlung und Bewegungstherapie mit einer sorgfältigen Hautpflege und, falls erforderlich, Hauttherapie kombiniert. Die Behandlung chronischer Lymphödeme ist meist lebenslang erforderlich. „Die Versorgung der Patienten wird heute vorrangig durch lymphologisch weitergebildete niedergelassene Dermatologen gewährleistet, die mit Physiotherapeuten zusammenarbeiten“, berichtet Jungkunz. Führt eine ambulante Therapie nicht zum gewünschten Erfolg, sollte eine Behandlung in einer lymphologischen Fachklinik erwogen werden, die eine tägliche Rundum-die-Uhr-Behandlung bietet. Wichtig sei zudem eine fundierte Schulung, bei der die Patienten lernen, selbst Kompressionsverbände anzulegen oder die Lymphdrainage durch eine individuelle Vorbehandlung des Abflussgebiets zu unterstützen.

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