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Mit Radiowellen gegen Krampfadern
16. Oktober 2008 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Krampfadern - nur kleine Schönheitsfehler, die man getrost ignorieren kann? Nein, sagt Dr. Heiko Weisser, Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg: Krampfadern sollten fachmännisch untersucht werden. Denn oberflächliche Krampfadern sind oft Anzeichen eines tiefen Venenleidens. Durch rechtzeitige Behandlung lassen sich Komplikationen wie juckende Hautveränderungen oder ein "offenes Bein" verhindern. Damit dies möglichst schonend und schmerzfrei geschieht, arbeiten die Heidelberger seit 2006 erfolgreich mit einer neuen Methode: Ein dünner Katheter löst das Problem von innen - mit Radiowellen.

Nahezu jeder Zweite leidet an Krampfadern, jeder Fünfte muss deswegen in medizinische Behandlung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei erblicher Veranlagung ist ihr Bindegewebe oftmals zu schwach, um den oberflächlichen Beinvenen zeitlebens Halt zu bieten. Die Folge: Die Venen "leiern aus", und die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Es kommt zum Rückstau des Bluts in die Beine, die anschwellen, schmerzen und jucken. Besenreiser und Krampfadern werden sichtbar, die Haut kann sich verfärben. Im schlimmsten Fall - bei bis zu drei Prozent dieser Patienten - bilden sich chronisch nässende, schlecht heilende Wunden: das "offene Bein".

"Krampfadern an den Unterschenkeln sind oft nur die Spitze des Eisbergs. Meist geht das Problem von defekten Venenklappen in der Leiste aus", sagt Dr. Weisser. Wenn diese nicht mehr richtig schließen, sind auch die weiter unteren unten gelegenen Beinvenenklappen überlastet, die schließlich ebenfalls versagen. Das Blut fließt zurück (Reflux) bis in die Seitenäste der Venen, die man als Krampfadern oder Besenreiser an den Beinen sehen kann.

Radiowellen lassen Venen von innen schrumpfen

Zur Behandlung der sogenannten Stammvarikose - wenn also die großen Venen das Blut nicht mehr richtig leiten - wird seit über 100 Jahren das sogenannte "Stripping" durchgeführt: Die kranke Vene wird meist unter Vollnarkose in der Leiste operativ freigelegt, ein Draht eingeführt, dort weiter unten am Bein mit der kranken Vene verbunden und nach oben herausgerissen. Diese brachiale Methode hat allerdings einige Nachteile: Es können kleine Nerven, Lymphgefäße und andere Strukturen beschädigt werden oder Einblutungen, Entzündungen und Gefühlsbeeinträchtigungen die Folge sein. Wie bei jedem operativen Eingriff kann es zu Narbenbildung kommen; auch Wundinfektionen und andere Wundheilungsstörungen treten auf.

Anders bei den neuen minimal-invasiven Verfahren: Bei der Radiofrequenztechnologie wird die Vene am unteren Ende der defekten Venenstrecke punktiert und ein Katheter bis knapp an jene Stelle der Leiste eingeführt, wo die Vene in das tiefe Venensystem einmündet. Das Katheterende wird erhitzt und gibt seine Energie gezielt an die Veneninnenwand frei, die sich dauerhaft zusammenzieht. Die Vorteile: Die Energie wirkt nur in der Vene, umliegendes Gewebe wird nicht geschädigt, es treten deutlich weniger Beschwerden und praktisch keine Narben auf.

"Wir wenden dabei eine moderne Art der Lokalanästhesie an, die nicht nur die Vollnarkose erspart, sondern um die Vene herum durch ein Polster einen Sicherheitsabstand zu den angrenzenden Strukturen schafft", sagt Dr. Weisser. Dadurch bekommt der Arzt das direkte Feedback des wachen Patienten, und es können Nervenschäden noch sicherer vermieden werden. Nach dem Eingriff kann der Patient sofort aufstehen, bleibt noch etwa 30 Minuten unter Beobachtung und kann dann direkt nach Hause gehen. Etwa eine Woche lang muss er einen Stützstrumpf Tag und Nacht tragen, danach noch für zwei Wochen tagsüber. Zurück bleibt nur eine etwa zwei Millimeter große Narbe an der Stelle, wo der Katheter durch die Haut in die Vene eingeführt wurde.

Lasertherapie ist so effektiv wie Radiowellen

Alternativ zum Einsatz von Radiowellen kann die Energie auch als Laserlicht an die Venenwand gebracht werden. Dabei wird statt eines Katheters eine Lichtleitfaser verwendet. Das Ergebnis ist vergleichbar, die Ausfallszeiten sind bei der Radiofrequenztechnik mit etwa zwei Tagen am kürzesten. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Derzeit zahlen leider nur die privaten Kassen für den Eingriff, so dass gesetzlich Versicherte einen Aufpreis aus eigener Tasche zahlen müssen.

Fünf bis zehn Patienten behandelt das Heidelberger Team mit Dr. Weisser, Dr. Christian Moser und Dr. Patrick Gholam derzeit im Schnitt pro Woche. Das Verfahren hat das Stripping weitgehend ersetzt. Dr. Weisser empfiehlt allen Patienten, die besonders bei Wärme und nach langem Stehen unter Schmerzen, Schwellungen oder Jucken leiden, die an ihren Beinen Krampfadern, Besenreiser oder Verfärbungen entdeckt haben, ihr Venensystem untersuchen zu lassen. Mit Ultraschall kann der Arzt schnell und schmerzlos feststellen, ob ein Krampfaderleiden vorliegt, oder ob es sich lediglich um ein kosmetisches Problem handelt.

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